Donnerstag, 12. August 2010
Biomechanik
Für einen Orthopädieschuhtechniker ist es wichtig, diese Gesetzmässigkeiten zu erfassen. Um einen orthopädischen Mass-Schuh erfolgreichen herzustellen zu können, muss es gelingen, das biomechanische System des Körpers und seiner Pathophysiologie in das Leistendesign und die Einstellungsdaten zu übertragen.
Manche Leute glauben, mit moderner elektronischer Technik sei das nicht mehr nötig. Das ist leider nicht so, 3D-Scanner und CAD-CAM gestützte Geräte sind Werkzeuge wie Hammer und Falzzange in der Hand des Handwerkers und Patientenversorgers. Vorstellungen von einer Maschine, in die man den Fuss hineinhalten kann während auf der anderen Seite ein fertiges Hilfsmittel herausfällt, muss man in das Land der Träume verweisen.
Das wichtigste, um gute Resultate mit orthopädischen Mass-Schuhen zu erreichen, ist ein gewisses Feeling für Mass-Schuhe, Vorstellungskraft und Häufigkeit der Bearbeitung bestimmter Problemstellungen. Wer zuwenig Versorgungen durchführt, wird Mühe bekommen, ein gutes Leistendesign und funktionerende Lösungen zu erreichen.
Deswegen plädiere ich für eine Spezialisierung im Gebiet der Mass-Schuhversorgungen, für eine fokussierung auf eine bestimmte Problemstellung und Lösungsweg.
Bis bald
Patrick Winkler
Sonntag, 25. Juli 2010
Limmer & Sons, Custom Shoemakers

Limmer verkauft seine individuellen Schuhe für knapp 700 USD, ein Preis-Leistungsverhältnis, das man als günstig bezeichnen darf. Die Leisten werden nach Fussmassen und Trittspur angepasst jedoch selten aufbewahrt. Das macht Sinn, denn die Schuhe halten ein Leben lang.
Bis bald
Dienstag, 13. Juli 2010
Swiss made
Mass-Anfertigungen der Firma Winkler ORTHO SCHUH TECHNIK gelten gemäss der Revision „Swissness“ des Markenschutzgesetztes als Made in Switzerland. Folgende Bedingungen sind erfüllt:
- Der Anteil der Herstellungs- und Dienstleistungskosten, die in der Schweiz anfallen, beträgt weit über der von der Revision geforderten 60%
- Die mit Abstand wichtigste Leistung des Patientenservices, Beratung und Betreuung des Patienten findet in der Schweiz und vor Ort statt
- Der Produktionsprozess steht unter Aufsicht eines eidgenössisch diplomierten Orthopädie-Schuhmachermeisters (OSM)
- Wir stecken viel Energie in Produktentwicklungen, die von uns mitgetragen und zum Teil initiiert werden
- Das Qualitätsmanagement wird von schweizerischen Auditoren geleitet
- Lieferung und Unterhalt unterliegen dem Qualitätssicherungsver-trag des schweizerischen Bundesamtes für Sozialversicherung und der Aufsicht der weltweit grössten Inspektions- und Zertifizierungsgesellschaft SGS mit Hauptsitz in Genf (ISO Norm 13485)

Dienstleistungen von Winkler, schweizer Qualität!
Bis bald
Patrick Winkler
Freitag, 9. Juli 2010
Leistungen der AHV und IV
Orthopädische Mass-Schuhe gehören in der Schweiz zu den Leistungen der Sozialversicherungen AHV und IV sowie der Unfallversicherung. Dort sind sie in den Hilfsmittellisten aufgeführt.
Bei orthopädischen Mass-Schuhen haben Versicherte Personen der AHV mit einer Leistungsberechtigung das Anrecht auf ein Paar Anfertigungen alle zwei Jahre und bezahlen einen Eigenanteil von 25% der Kosten. Anders sieht es bei IV-Versicherten aus: Diese erhalten zwei Paare pro Kalenderjahr und bezahlen einen festen Selbstbehaltanteil von 120.- Franken pro paar Schuhe. Wenn sie das Rentenalten erreichen erhalten diese einen sogenannten Besitzstand auf die Leistungen, d.h. sie behalten auch im Rentenalter dieselbe Ansprüche wie vorher. Eine Übersicht über diese komplizierten Bestimmungen können sie im Kreisschreiben der IV finden.
Die Ungleichbehandlung ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen, so zum Beispiel in einer Motion von Nationalrätin Brigitte Häberli vom 3.10.2008. Das EDI will die Ungleichbehandlung jedoch nicht beseitigen da man ein Kostenwachstum bei der AHV befürchtet. Im gleichen Zug wird aber von grosszügigen Leistungen der IV gesprochen, die den Zweck der beruflichen Eingliederung haben. Die Unterschiede sind im Bereich orthopädischer Massanfertigungen meiner Meinung nach zu gross. Hier eine Kostenbeteiligung des Versicherten von 800-1'500 Franken bei Rentnern, dort eine solche von 120.- Franken bei Besitzständern, hier ein Anspruch von einem Paar Schuhe alle zwei (!) Jahre, dort ein Anspruch von 4 Paaren im gleichen Zeitraum.
Bitte etwas mehr Verhältnismässigkeit.
Bis bald
Patrick Winkler
Donnerstag, 1. Juli 2010
Vaterlandsverrat
Hayek war aber nicht nur Unternehmer, er wurde auch oft als Berater von Unternehmen und Behörden beigezogen. Ein Beispiel dieser Expertentätigkeit war, als das Militärdepartement 1984 die Beschaffung von Leopard Panzern erwog. Die Schweizer Rüstungsindustrie und ihre Vertreter in der Politik propagierten den Eigenbau. Als hinzugezogener Experte stellte Hayek fest, dass der Lizenzbau in der Schweiz 300–400 Prozent teurer gekommen wäre als der Kauf beim deutschen Hersteller. Zuerst wollte es niemand glauben und man verleumdete ihn als Vaterlandsverräter, schliesslich bekam Hayek aber Recht und er wurde von der Presse nachträglich zum Unternehmer des Jahres erklärt.
Was können wir daraus lernen? Man muss sich genau überlegen, was man selber produzieren will und was nicht. Im Bereich Herstellung und Anpassung orthopädischer Mass-Schuhe gibt es einen Patientenservice, den man vor Ort und nur mit hochqualifizierten und erfahrenen Fachleuten machen muss. Und es gibt Prozesse der anonymen Herstellung, die man irgendwo durchführen kann sofern man eine Prozesslenkung besitzt. Das ist kein Vaterlandsverrat sondern ökonomische Vernunft. Das ist kein Job-Killing sondern Verantwortung gegenüber der Zukunft. Was würde Nicolas Hayek dazu sagen?
Bis baldPatrick Winkler
Samstag, 26. Juni 2010
Orthopädische Mass-Schuhe: Überhaupt noch nötig?
In einer Fuss-Ratgeberbroschüre der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse lese ich unter dem Titel „Teuer ist nicht immer Besser“ folgendes (Ausschnitt): "Orthopädische Mass-Schuhe kosten rund 1'800.- Euro (ca. 2'600 Franken) – mehr als zwanzig Mal soviel wie Einlagen … Zudem müssen orthopädische Mass-Schuhe immer getragen werden. Das heisst, ein Wechseln des Schuhwerks ist nur schwer möglich. Das kann zu einer Einschränkung führen und die teuren Mass-Schuhe werden in den Schrank verbannt.“
In diesem provokativen Beitrag tauchen drei Fragen auf, auf die ich eingehen will:
- Muss jemand, der orthopädischen Mass-Schuhe trägt, diese immer und ausschliesslich tragen?
- Kann man das Hilfsmittel Mass-Schuh ersetzen durch Einlagen oder/und Schuhzurichtungen?
- Sind 2'600 Franken Durchschnittskosten, was in Österreich bezahlt wird, viel für ein Paar Mass-Schuhe?
Lesen Sie dazu in meinen nächsten Blogs. Einfach dran bleiben!
Bis bald
Patrick Winkler
Freitag, 18. Juni 2010
Spreizfuss
Der Spreizfuss ist eine erworbene Vorfussüberlastung. Niemand wird mit einem Spreizfuss geboren. Es kann eine familiäre Neigung zum Spreizfuss geben, ungeeignetes Schuhwerk oder grosse Belastung der Füsse. Oder eine Kombination von allem. Auch rheumatische Erkrankungen oder Lähmungen können zu den Ursachen gezählt werden.Das Problem des Spreizfusses sind seine Verwandten: Die Druckstellen an der Balle, Hallux valgus und Zehenfehlstellungen. Meistens sind Spreizfüsse mit Schmerzen verbunden und müssen behandelt werden.
Diese Kundin mit starkem Spreizfuss und Beschwerden hat sich Mass-Schuhe machen lassen, weil alle konfektionierten Spezial- und Komfortschuhe schlecht gepasst und Druckstellen verursacht haben. Die Einlagen und Schmetterlingsrollen an den Schuhen konnten das Problem nicht lösen. Die Einlage hat den Schuh im Zehenraum zu eng gemacht, die Schmetterlingsrolle die Sohle zu steif. Und immer wieder war das rutschen an der Ferse. Vorne war der Schuh zu eng, hinten zu locker.
Wir haben uns entschieden Leistenmodelle nach CAD-CAM und Mass-Schuhe herzustellen. Das war vor eineinhalb Jahren. Heute hat sie sich das zweite Paar bestellt. „Ich konnte noch nie so gut gehen in Schuhen, wie in diesen“ bestätigt mir die Kundin. „Vorher konnte ich nach einer halben Stunde kaum noch Gehen, heute Gehe ich fast unbeschränkt“. Die Vorteile der Mass-Anfertigung sind, dass der Platzbedarf im Schuh genau gestaltet werden kann, die Polsterungen und Entlastungen genau dort sind, wo sie sein müssen und der Kunde Farbe, Modell und Werkstoffe selber auswählen kann.
Eigentlich ist dieser Fall eine medizinische Indikation. Die Kundin hat aber ihre Schuhe selber bezahlt, sie wollte keine Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen. Der Preis der Schuhe betrug CHF 1'400.-*, die Leisten als einmalige Herstellung CHF 800.- *. Er ist als mittlerer Schwierigkeitsgrad gemäss Tarifdefinition zu klassieren.Genügen Platz an den Zehen und kein Rutschen mehr an der Ferse! Für denjenigen, der keine Beschwerden hat vielleicht nichts besonderes, für den Leidenden jedoch ein neues Lebensgefühl.
Patrick Winkler
* inkl. MWSt., Preisangabe beziehen sich auf den geschilderten Fall.
