Freitag, 23. Dezember 2011

OECD zur schweizerischen Gesundheitspolitik

Aus der Zusammenfassung des Berichtes zur Studie der OECD und WHO in einer Studie von 2006:
Das Gesundheitssystem der Schweiz gewährleistet gute Gesundheitsstandards und eine umfassende Versorgung der Bevölkerung, allerdings haben diese Erfolge ihren Preis. Beide Organisationen loben das System für seine gute Qualität, empfehlen aber gleichzeitig, die hohen Kosten im Rahmen zu halten.

Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern hat die Schweiz ein sehr gut ausgebautes Gesundheitssystem. Es bietet einen universellen Krankenversicherungsschutz, Zugang zu einem breiten Angebot an modernen Gesundheitsdienstleistungen und die Patienten sind im Großen und Ganzen mit der Versorgung zufrieden. Allerdings ist in der Schweiz der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt nach den USA der zweithöchste innerhalb der OECD. Die Systeme anderer OECD-Länder erbringen bei niedrigeren Kosten die gleichen oder sogar besseren Leistungen als das der Schweiz.

Bis bald
Patrick Winkler

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Was tut ein Schuhmacher?

Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es noch einfach, man konnte sagen: Der Schuhmacher macht Schuhe, d.h. er stellt sie her. Gemäss den damals üblichen persönlichen Zunftzwängen und Hofrechten haben sich die Schuhe herstellenden Schuhmacher, die das zünftige Gewerbe repräsentierten, von den nichtzünftigen, meist ländlichen, reparierenden Berufskollegen abgegrenzt.

In England nannten sich die gehobenen herstellenden Schuhmacher Cordwainers in Anlehnung an das damals geschätzte Cordoba-Leder. Die zunftfremden Schuhreparateure nannte man Cobbler, während die Engländer unter cobbled soviel wie "zusammengebastelt" verstehen. Dieses sprachliche Abgrenzungsmuster, das in der deutschen Sprache dem "Schuhmacher/Flickschuster" entspricht, finden wir auch im italienischen calzolaio/ciabattino, wo man ciabattino auch mit Pfuscher übersetzen kann während calzolaio der Schuhmacher war/ist. In Frankreich's Ancie Régime kannte man neben dem Bottier und Cordonnier den Begriff Savetier, der eine ähnlich abwertende Färbung zu haben schien, heutzutage aber nicht mehr üblich ist. Savate lässt sich als "alter Schuh" wiedergeben.

Die Zunftverfassungen behielten das Recht der Herstellung von Schuhen in ihren meist städtischen Einflussgebieten den Schuhmachern, Bottiers, Cordwainers und Calzolaio vor. Wer dieses Zunftrecht nicht hatte wurde allenfalls als reparierender Schuhmacher geduldet und war ein "Altmacher", "Störer" oder "Pfuscher", damals synonym für ausserzünftige Handwerker, mancherorts Landhandwerker eingeschlossen. Deren Arbeit konnte von den Zünften nicht kontrolliert werden und war ihnen deswegen suspekt. Noch heute versteht man in Österreich unter dem Wort Pfusch illegale Arbeit.

In England hat sich die Begriffsbedeutung heutzutage dahin verändert, dass sich ein Cordwainer als Mass-Schuhmacher versteht und sich damit von der industriellen Massenproduktion abgrenzt. Cordwainer und Shoemaker sind Synonyme. In Deutschland und Österreich nennen sich die Mass-Schuhe herstellenden Fachleute Maßschuhmacher, so auch in der Schweiz, wo jedoch häufig ebenso der französische Begriff Bottier benutzt wird. Bottier wird in der deutschen Sprache oft fälschlich als Stiefelmacher übersetzt, er stellt jedoch den klassischen Massschuh- oder Orthopädie-Massschuhmacher dar.

Seit die Schuhmacher mit dem Ende des 19. Jahrhunderts endgültig die Rolle der Schuhherstellung an die Industrie abgegeben haben, gehört der deutsche Begriff Schuhmacher mehrheitlich den Servicefachleuten um Schuh und Fuss, also den reparierenden Schuhmachern. Dieselben betreiben häufig, sofern sie das Métier gelernt haben, auch Schuhhandel, Einlagenherstellung, Kleinorthopädie und vieles mehr. Die neue "zünftische" Grenze verläuft, seit die Versicherungen Leistungen an orthopädische Mass-Schuhe erbringen, zwischen Schuhmachern und Orthopädieschuhmachern. Letztere sind heute diejenigen, die zur Lieferung von orthopädischen Mass-Schuhen zugelassen sind, wobei man nicht vergessen darf, dass sich etliche Schuhmacher ausserhalb von Versicherungsleistungen im Markt der Mass-Schuhherstellung behaupten können und diesen immer noch (oder sogar vermehrt) bedienen. (Mehr dazu in einem späteren Blog)

Die Bedeutung von Begriffen kann sich, wie wir sehen, mit der Veränderung der wirtschaftlichen Rolle, verschieben. Das wird auch in der Zukunft so sein.

Bis bald
Patrick Winkler

PS: Nennen Sie ihren Schuhmacher oder Schuhservicefachmann nicht "Flickschuster", das wird meistens Abwertend aufgefasst.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Neue Techniken in der Orthopädie

Neue Techniken halten Einzug in der Orthopädieschuhtechnik. Leistenmodelle für komplexorthopädische Mass-Schuhe können heute mit Hilfe digitaler Werkzeuge hergestellt werden, in der Ausgabe der OT 12/11 habe ich darüber geschrieben.

CAD-CAM gestützte Herstellung für komplexorthopädische Schuhe ist möglich, die Leistenherstellung ausschliesslich von Hand und mit Kunstgiessharztechnik ist nicht mehr der einzige Weg. Die Vorteile der elektronischen Werkzeuge sind der kürzere Zeitaufwand bei hoher Präzision und die Verdichtung des Know-hows auf die Formgebung und den Patientenservice.

Sie können an diesen Blog einen Komentar anhängen oder mir ein eMail senden. info@winkler-osm.ch

Bis bald.
Patrick Winkler

Dienstag, 29. November 2011

Der Hallux valgus

Der Hallux valgus ist der medizinische Fachausdruck für den Schiefstand der Grosszehe, wobei valgus die Richtung bezeichnet. Als Ursache wird in den medizinischen Publikationen meistens der Spreizfuss genannt. Eine Ursache dafür kann falsches, also zu enges, kurzes und/oder spitzes Schuhwerk mit zu hohen Absätzen sein. Andere Faktoren wie Beindegewebseigenschaft, Art und Intensität der Belastung und Belastungsdauer spielen aber auch eine Rolle.

Auf was man bei Schuhkauf achten sollte: Einerseits braucht die Balle genügend Volumen, andererseits darf die Ferse nicht zu breit sein. Weil Hallux-valgus-Leidende meist auch Einlagen tragen müssen, sollte der Schuh zudem für Einlagen geeignet sein. Das kann ganz schön kompliziert werden, Betroffene wissen das.
Die Problematik liegt darin, dass sich die Proportionen des Fusses verschieben. Das Verhältnis von Rückfussbreite zur Ballenweite verändert sich so, dass Schuhe, die im Vorderblatt passend sind, in der Hinterkappe zu locker werden und der Fuss den Halt verliert. Da kommt man um eine Schaftanpassung (lokales ausweiten) nicht herum. Ich habe immer wieder Kunden, die können Ihre gewohnten Schuhe gar nicht mehr anziehen ohne ein wahres Martyrium zu erleiden. Dort ist der Punkt, wo eine Schuh-Massanfertigung angebracht ist. Besonders dann, wenn schmerzhafte Druckstellen an der Fuss-Sohle dazukommen. Solche Kunden können in der Regel keine anderen Schuhe mehr anziehen als solche, die über ihren individuellen Leisten hergestellt wurden.

Abb. oben links: Bei dieser Hallux valgus Deformation kommen konfektionierte Spezialschuhe nicht mehr in Frage, das Verhältnis von Ballen- zu Fersenbreite ist zu unterschiedlich. Weil der Fuss an sich nicht schmerzhalft ist wird er auch nicht operiert. Die eleganteste Lösung sind Mass-Schuhe.

Mehr können Sie hier erfahren.

Freitag, 25. November 2011

Funktion versus Ästhetik

Müssen orthopädischen Schuhe hässlich aussehen damit sie wirksam sind?

Diese provokative Einleitung soll zum Nachdenken einladen. Natürlich stehen die Adjektive "orthopädische" und "hässliche" Schuhe in keiner Analogie.

Doch nun zum Thema: Unsere Kultur schafft bestimmte Normen mit denen sich bereits Schiller und Kant auseinandersetzten. Während Kant "Schönheit" und "Geschmack" als subjektive Eigenschaften beschrieb, bearbeitete Schiller in einem Buch mit dem Titel „Kallias oder Über die Schönheit“ das zentrale Thema Ästhetik bzw. Schönheit mit "Sinnlichkeit und Vernunft, Einbildungskraft und Erkenntnisvermögen, Willkür und Gesetz sowie Natur und Kultur".

Ästhetisch gelungene orthopädische Schuhe sind natürlicher Formen nachempfunden. Das verlangt manchmal Kompromisse. Wie weit dürfen diese Kompromisse gehen? Wenn ich zu weit gehe leidet die Funktion möglicherweise darunter. Ich habe dann zwar einen ästhetisch anmutigen Schuh geschaffen, dies aber auf Kosten der Wirkung. Missachte ich jedoch die Ästhetik, laufe ich Gefahr, dass das Hilfsmittel abgelehnt und nicht getragen wird. In letzterem Fall hätte ich je nach Situation einen totalen Fehlschlag produziert.

Das Business der Mass-Schuhherstellung ist ein immerwährendes Abwägen von Funktion und Ästhetik. Die Vorstellungen des Kunden oder Patienten sind ebenso zu berücksichtigen wie die Indikationsvorgaben des verordnenden Arztes. Nur die Balance zwischen diesen Polen, in Übereinstimmung mit den ärtzlichen Vorgaben, kann zum Erfolg führen.

Bis bald
Patrick Winkler

Sonntag, 20. November 2011

Mass-Schuh oder medizinisches Hilfsmittel?

Schuhhilfsmittel erleichtern das Gehen bei Fussbeschwerden, Deformationen und diversen Handicaps. Sie sind eine komplementäre oder alternative Behandlung zum chirurgischen Eingriff. Gemäss dem komplexitätsgrad der Beschwerden werden semiorthopädische oder individuelle Lösungen gewählt.

Was ist der Unterschied zwischen einem medizinischen Schuhhilfsmittel und einem Mass-Schuh? Und was sind eigentlich orthopädische Mass-Schuhe*? Es sind individuelle Hilfsmittel für komplexe pathologische Zustände** der Füsse und werden nach einem kundenindividuellen Leistenmodell hergestellt und angepasst. Ein Mass-Schuh ist nicht von der Stange. Die Anpassung von Mass-Schuhen verlangt vom Fachmann/-frau wegen der ausschlaggebenden Bedeutung des Leistens und Einstellungsdaten nicht nur Kenntnisse der Anatomie und Pathophysiologie, sondern auch Formensinn und räumliche Vorstellungskraft.

Bis bald
Patrick Winkler

* gemäss Begriffliste des Internationalen Verbandes der Orthopädie-Schuhtechniker IVO 1991, S. 217, Link zur Homepage des IVO
** wie diese Zustände genau aussehen werde ich in einem späteren Beitrag eingehen

Freitag, 11. November 2011

Operation oder Hilfsmittel?

Nach einem Heil- und Hilfsmittelreport der Barmer Krankenkasse in Deutschland könnten durch gezielten Einsatz von Hilfsmitteln bestimmte chirurgische Eingriffe überflüssig werden. Nach einem Bericht des Fachmagazines Orthopädie-Schuhtechnik wären nach Ausage des Vorstands-Vize der Barmer GEK Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, z.B. Venenoparationen bei rechtzeitigem Einsatz von Kompressionsstrümpfen in einigen Fällen nicht nötig. Auch Physiotherapie könne gegen verfrühte Arthrose prophylaktisch wirken.

Operation und Konservative Behandlung dürfen sich aber nicht gegenseitig ausspielen, sie sind komplementär und ergänzen sich.

Bis bald
Patrick Winkler