Montag, 3. Juni 2013
Fersenschmerz
Die Entzündung an der Ferse tritt üblicherweise in der Plantaraponeurose des Fusses auf, einem derben und festen Längsband, das die Fusslängsgewölbe als Fortsetzung der Achillessehne verspannt. Einige Studien zu diesem Thema haben herausgefunden, dass die Ursachen in der Muskelverkürzung der Unterschenkel- sowie der ischiocruralen Beuger zu suchen ist, die bei erhöhter Belastung zu einer Überforderung der Plantaraponeurose führt.
In der Medizin werden je nach Schmerzintensität und Physiologie zahlreiche Behandlungsmethoden zum Fersenschmerz angewendet. Neben einem regelmässigen Stretching der Beugemuskeln haben wir gute Erfahrungswerte mit gezielter lokaler Druckentlastung durch Einlagen gemacht. Im Jahr 2004 habe ich die Wirksamkeit von solchen Einlagen untersucht und in der Orthopädie-Technik publiziert. Wichtig scheint mir, die Fersenschmerzen ernst zu nehmen und nicht chronisch werden zu lassen. Die Gefahr besteht, dass sich ein Schonhaltungsmuster im Gangbild festsetzt, das später zu Gelenkschädigung führen kann.
Auf jeden Fall hoffe ich für Sie, dass Sie davon verschont bleiben.
Bis bald
Patrick Winkler
Mittwoch, 1. Mai 2013
Fersensporn
Die Entzündung um den Fersensporn tritt üblicherweise in der Plantaraponeurose des Fusses auf, einem derben und festen Längsband, das die Fusslängsgewölbe als Fortsetzung der Achillessehne verspannt. Einige Studien zu diesem Thema haben herausgefunden, dass die Ursachen in der Muskelverkürzung der Unterschenkel- sowie der ischiocruralen Beuger zu suchen ist, die bei erhöhter Belastung zu einer Überforderung der Plantaraponeurose führt.
In der Medizin werden je nach Schmerzintensität und Physiologie zahlreiche Behandlungsmethoden angewendet. Neben einem regelmässigen Stretching der Beugemuskeln haben wir gute Erfahrungswerte mit gezielter lokaler Druckentlastung durch Einlagen gemacht. Im Jahr 2004 habe ich die Wirksamkeit von solchen Einlagen untersucht und in der Orthopädie-Technik publiziert. Wichtig scheint mir, die Fersenschmerzen ernst zu nehmen und nicht chronisch werden zu lassen. Die Gefahr besteht, dass sich ein Schonhaltungsmuster im Gangbild festsetzt, das später zu Gelenkschädigung führen kann.
Auf jeden Fall hoffe ich für Sie, dass Sie davon verschont bleiben.
Bis bald
Patrick Winkler
Donnerstag, 4. April 2013
Unfallversicherung
Es gibt eine verbreitete Meinung, wonach die Unfallversicherung keine Leistungen an Hilfsmittel leiste. Dem muss entgegnet werden, dass man in der Hilfsmittelliste des Unfallversicherungs-Gesetzes UVG solche findet, auf die Versicherte Anspruch haben um unfallbedingte körperliche Schädigungen auszugleichen (Art. 1 HVUV). Wir finden darin Prothesen, Stütz- und Führungsapparate für Gliedmassen, Stützkorsets, orthopädisches Schuhwerk, Hörapparate, Brillen und weiteres mehr. Finanziert wird die Unfallversicherung zumeist durch Abgaben und Arbeitgeberbeiträge.
Krankenversicherung
Jeder Schweizer Bürger und Bürgerin ist krankenversichert. Die Prämien sind vertragsindividuell und in den letzten Jahren massiv gestiegen. Die Aufgabe der Krankenversicherung ist es, eine medizinische Behandlung und Versorgung zugänglich zu machen wenn sie nicht von der Unfallversicherung gedeckt ist. Es werden mit Einschränkung Hilfsmittel übernommen, die in der Mittel- und Gegenstände-Liste (MiGeL) aufgelistet sind. Die Krankenkasse bezahlt Hilfsmittel, die im Alltag benötigt werden: Prothesen, Inkontinenzhilfen oder Verbandsmaterial. Jedoch sind Schuheinlagen keine Grundversicherungsleistung der obligatorischen Krankenversicherung.
Invalidenversicherung (IV)
In einer Hilfsmittelliste der IV (HVI) werden die Gegenstände aufgezählt, die von der IV bezahlt werden. Der Zweck ist die Wiedereingliederung in den Berufsalltag und somit zumindest zum Teil für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Das kann von Arbeitsplatzanpassungen über orthopädische Apparate und Schuhe bis zu Hörgeräten, Rollstühlen und Motorfahrzeugumbau gehen.
Jeder Berufstätige - angestellt oder selbständig - zahlt Abgaben in die Invalidenversicherung, hinzu kommen Steuergelder und ein Mehrwertsteuerprozent.
Alters- und Hinterbliebenen Versicherung AHV
Auch das AHVG hat einen Anhang der Hilfsmittel, der abgekürzt HVA heisst. Hier geht es um die Erhaltung der Selbständigkeit, Selbstsorge und Erhalt des Kontaktes mit der Umwelt. In der Liste sind Orthopädische Schuhe, Hörgeräte, Lupenbrillen, Rollstühle und weiteres aufgeführt. Finanziert wird die AHV durch Lohnabgaben, Arbeitgeberbeiträge und Steuergelder.
Alle Angaben ohne Gewähr! Ob ein Versicherter nun von der einen oder anderen Versicherung einen Anspruch hat ist nicht immer so einfach zu sagen. Wenn es um eine Eingliederung geht ist klarerweise die IV zuständig. Sind nun aber orthopädische Schuhe oder Einlagen zum Zweck der Erhaltung der Berufstätigkeit oder Hilfsmittel, die im Alltag benötigt werden? Der Versicherte muss sich erkundigen, denn es gibt eine Unmenge von Regelungen über Zuständigkeiten, Ausnahmen, Besitzstand, Austauschrecht, Unfallursachen oder Drittverschulden, etc. Oft lässt sich ein Anspruch nur im Einzelfall klären und ist nicht zuletzt eine Ermessensfrage.
Bis bald
Patrick Winkler
Mittwoch, 22. Februar 2012
Umbruch
Ich wünsche uns allen viel Erfolg im Wandel.
Bis bald
Patrick Winkler
Sonntag, 22. Januar 2012
Was du ererbt hast
erwirb es,
um es zu besitzen.
Johann Wolfgang Goethe
In die Prosa des Alltags übersetzt will das Dichterwort uns sagen: Es ist falsch, gedankenlos dem Trott des Alltags zu folgen und zu glauben, es gehe immer weiter so. Vor 40 oder 50 Jahren war es selbstverständlich, dass jedem Berufszweig seine Spezialität zugewiesen wurde. Der Quartierbäcker wie der Quartiermetzger fanden ihr Auskommen, wie selbstverständlich ging man zum Schuhmacher um die Schuh reparieren zu lassen und zum Orthopädieschuhmachermeister, wenn normale Schuhe nicht mehr passen wollten.
In der Stadt sind Quartierbäcker und Quartiermetzger rar geworden, man findet Ladenketten, geht ins Einkaufscenter und zum Grossverteiler. Schuhe werden nicht mehr so oft repariert, von den einst 200 Schuhmacherbetrieben in Basel im Jahr 1940 sind heute noch etwa 30 geblieben und nur wenige davon haben noch das Know-how, Schuhe herzustellen (mit einigen originellen Ausnahmen!).
Ob durch diese Veränderungen unsere Lebensqualität geringer oder besser geworden ist lasse ich offen. Sicher ist, dass die Zeiten sich geändert haben und mit ihnen die Ansprüche und Gewohnheiten der Konsumenten, die Betriebsmodelle der Marktteilnehmer und die Techniken der Hersteller.
Und die Moral der Geschicht? Auf der Stelle stehe nicht!
Bis bald
Patrick Winkler
Sonntag, 15. Januar 2012
Hilfsmittel der Rehabilitation
Beim Schuh ist die Situation nicht immer leicht zu deuten. Ein Schuh ist ein Gegenstand, der jeder gesunde Mensch braucht, ihn selber auswählt und kauft. Für einen behinderten Menschen kann ein Schuh, der individuell geformt ist und bestimmte Funktionen übernimmt, ein Mittel zur Behandlung darstellen. Er stellt somit einen medizinisch indizierten Schutz vor einem Gesundheitsrisiko dar. Dieser Schuh ist aber immer noch ein Mittel des täglichen Gebrauchs, des Schutzes vor Kälte und Nässe und der Härte des Bodens, wie das auch beim "normalen" Schuh des gesunden Menschen der Fall ist.
Orthopädische Schuhe sind also sowohl Gebrauchsmittel zum Schutz des Fusses, der Mode unterworfenes Bekleidungsstück und auch Hilfsmittel zur Behandlung und Ausgleich einer Krankheit. Im Tarif der Versicherung gibt es unterschiedliche Arten von orthopädischen Schuhen wie Komfortschuhe, Spezialschuhe, orthopädische Serienschuhe, Massschuhe, Innenschuhe. Nur Fachleute, die sich in diese Materie vertieft haben, verstehen die Abrenzung, die oft schwierig, manchmal umstritten und eine Interpretationsfrage ist.
Orthopädische Schuhe gehören im grossen und ganzen in das Leistungsfeld der Sozialversicherungen IV, AHV und SUVA und werden bezahlt, wenn eine ärztliche Indikation dafür festgestellt ist. Leistungserbringer sind die Schuhmacher, Orthopädie-Schuhmacher und Orthopädisten. Da die Kostenschere der oben genannten Schuharten sehr gross ist - ein Komfortschuh mit Einlagen beginnt bei ca. 500 Franken - ein Mass-Schuh mit Innenschuh endet bei ca. 8'000 Franken - entsteht ein natürlicher Druck auf die teuren massgefertigten Hilfsmittel. Deshalb wird seit Jahren von einem Rückgang in diesem Feld berichtet, was vor allem die Orthopädieschuhmacher trifft.
Wer dieser Berufsleute wird den Zutritt in diesem Markt der Massanfertigung halten können? Wer wird herausfallen? Wer wird die Herausgefallenen beerben? Wer wird in 10 oder 20 Jahren noch das Know-how der Leistenherstellung besitzen?
Alle diese Fragen stehen zur Diskussion.
Bis bald
Patrick Winkler
Samstag, 31. Dezember 2011
OECD Bericht zur schweizerischen Gesundheitspolitik
OECD Reviews of Health Systems - Switzerland . Dieser Bericht ist eine Übersicht über die politische und ökonomische Situation des Gesundheitsmarktes mit besonderem Fokus auf das Gesundheitspersonal, Gesundheitsversicherungsmarkt und Gesundheitspolitik.
Die Studie zeigt unterschiedliche Problemfelder auf, wie etwa einem Ungleichgewicht zwischen Prävention und kurativer Medizin oder dem im OECD-Raum überdurchschnittlichen Kostenwachstum.
Einen Nachholbedarf sieht die Studie auch im Bereich der Transparenz bei Qualität und Wirksamkeit. Auch sollten neue Abgeltungsmethoden in Betracht gezogen werden da das gegenwärtige Finanzierungs- und Rückerstattungssystem Anreize zu kostenintensiven Behandlungen gibt.
Die Gesundheitsexperten geben sich gelassen. Man sieht zwar den Mangel an Effizienz, die meisten Glauben aber, dass das Verhältnis von Preis und Leistung genügend sei. Xavier Comptesse von Avenir Suisse sieht die Ursache der Ausgabensteigerung in der gestiegenen Nachfrage infolge der zunehmenden Überalterung.
Bis bald
Patrick Winkler
Freitag, 23. Dezember 2011
OECD zur schweizerischen Gesundheitspolitik
Das Gesundheitssystem der Schweiz gewährleistet gute Gesundheitsstandards und eine umfassende Versorgung der Bevölkerung, allerdings haben diese Erfolge ihren Preis. Beide Organisationen loben das System für seine gute Qualität, empfehlen aber gleichzeitig, die hohen Kosten im Rahmen zu halten.
Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern hat die Schweiz ein sehr gut ausgebautes Gesundheitssystem. Es bietet einen universellen Krankenversicherungsschutz, Zugang zu einem breiten Angebot an modernen Gesundheitsdienstleistungen und die Patienten sind im Großen und Ganzen mit der Versorgung zufrieden. Allerdings ist in der Schweiz der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt nach den USA der zweithöchste innerhalb der OECD. Die Systeme anderer OECD-Länder erbringen bei niedrigeren Kosten die gleichen oder sogar besseren Leistungen als das der Schweiz.
Bis bald
Patrick Winkler
Donnerstag, 22. Dezember 2011
Was tut ein Schuhmacher?
In England nannten sich die gehobenen herstellenden Schuhmacher Cordwainers in Anlehnung an das damals geschätzte Cordoba-Leder. Die zunftfremden Schuhreparateure nannte man Cobbler, während die Engländer unter cobbled soviel wie "zusammengebastelt" verstehen. Dieses sprachliche Abgrenzungsmuster, das in der deutschen Sprache dem "Schuhmacher/Flickschuster" entspricht, finden wir auch im italienischen calzolaio/ciabattino, wo man ciabattino auch mit Pfuscher übersetzen kann während calzolaio der Schuhmacher war/ist. In Frankreich's Ancie Régime kannte man neben dem Bottier und Cordonnier den Begriff Savetier, der eine ähnlich abwertende Färbung zu haben schien, heutzutage aber nicht mehr üblich ist. Savate lässt sich als "alter Schuh" wiedergeben.
Die Zunftverfassungen behielten das Recht der Herstellung von Schuhen in ihren meist städtischen Einflussgebieten den Schuhmachern, Bottiers, Cordwainers und Calzolaio vor. Wer dieses Zunftrecht nicht hatte wurde allenfalls als reparierender Schuhmacher geduldet und war ein "Altmacher", "Störer" oder "Pfuscher", damals synonym für ausserzünftige Handwerker, mancherorts Landhandwerker eingeschlossen. Deren Arbeit konnte von den Zünften nicht kontrolliert werden und war ihnen deswegen suspekt. Noch heute versteht man in Österreich unter dem Wort Pfusch illegale Arbeit.
In England hat sich die Begriffsbedeutung heutzutage dahin verändert, dass sich ein Cordwainer als Mass-Schuhmacher versteht und sich damit von der industriellen Massenproduktion abgrenzt. Cordwainer und Shoemaker sind Synonyme. In Deutschland und Österreich nennen sich die Mass-Schuhe herstellenden Fachleute Maßschuhmacher, so auch in der Schweiz, wo jedoch häufig ebenso der französische Begriff Bottier benutzt wird. Bottier wird in der deutschen Sprache oft fälschlich als Stiefelmacher übersetzt, er stellt jedoch den klassischen Massschuh- oder Orthopädie-Massschuhmacher dar.
Seit die Schuhmacher mit dem Ende des 19. Jahrhunderts endgültig die Rolle der Schuhherstellung an die Industrie abgegeben haben, gehört der deutsche Begriff Schuhmacher mehrheitlich den Servicefachleuten um Schuh und Fuss, also den reparierenden Schuhmachern. Dieselben betreiben häufig, sofern sie das Métier gelernt haben, auch Schuhhandel, Einlagenherstellung, Kleinorthopädie und vieles mehr. Die neue "zünftische" Grenze verläuft, seit die Versicherungen Leistungen an orthopädische Mass-Schuhe erbringen, zwischen Schuhmachern und Orthopädieschuhmachern. Letztere sind heute diejenigen, die zur Lieferung von orthopädischen Mass-Schuhen zugelassen sind, wobei man nicht vergessen darf, dass sich etliche Schuhmacher ausserhalb von Versicherungsleistungen im Markt der Mass-Schuhherstellung behaupten können und diesen immer noch (oder sogar vermehrt) bedienen. (Mehr dazu in einem späteren Blog)
Die Bedeutung von Begriffen kann sich, wie wir sehen, mit der Veränderung der wirtschaftlichen Rolle, verschieben. Das wird auch in der Zukunft so sein.
Bis bald
Patrick Winkler
PS: Nennen Sie ihren Schuhmacher oder Schuhservicefachmann nicht "Flickschuster", das wird meistens Abwertend aufgefasst.
Sonntag, 11. Dezember 2011
Neue Techniken in der Orthopädie
CAD-CAM gestützte Herstellung für komplexorthopädische Schuhe ist möglich, die Leistenherstellung ausschliesslich von Hand und mit Kunstgiessharztechnik ist nicht mehr der einzige Weg. Die Vorteile der elektronischen Werkzeuge sind der kürzere Zeitaufwand bei hoher Präzision und die Verdichtung des Know-hows auf die Formgebung und den Patientenservice.
Sie können an diesen Blog einen Komentar anhängen oder mir ein eMail senden. info@winkler-osm.ch
Bis bald.
Patrick Winkler
Dienstag, 29. November 2011
Der Hallux valgus
Auf was man bei Schuhkauf achten sollte: Einerseits braucht die Balle genügend Volumen, andererseits darf die Ferse nicht zu breit sein. Weil Hallux-valgus-Leidende meist auch Einlagen tragen müssen, sollte der Schuh zudem für Einlagen geeignet sein. Das kann ganz schön kompliziert werden, Betroffene wissen das.
Die Problematik liegt darin, dass sich die Proportionen des Fusses verschieben. Das Verhältnis von Rückfussbreite zur Ballenweite verändert sich so, dass Schuhe, die im Vorderblatt passend sind, in der Hinterkappe zu locker werden und der Fuss den Halt verliert.
Da kommt man um eine Schaftanpassung (lokales ausweiten) nicht herum. Ich habe immer wieder Kunden, die können Ihre gewohnten Schuhe gar nicht mehr anziehen ohne ein wahres Martyrium zu erleiden. Dort ist der Punkt, wo eine Schuh-Massanfertigung angebracht ist. Besonders dann, wenn schmerzhafte Druckstellen an der Fuss-Sohle dazukommen. Solche Kunden können in der Regel keine anderen Schuhe mehr anziehen als solche, die über ihren individuellen Leisten hergestellt wurden.Abb. oben links: Bei dieser Hallux valgus Deformation kommen konfektionierte Spezialschuhe nicht mehr in Frage, das Verhältnis von Ballen- zu Fersenbreite ist zu unterschiedlich. Weil der Fuss an sich nicht schmerzhalft ist wird er auch nicht operiert. Die eleganteste Lösung sind Mass-Schuhe.
Mehr können Sie hier erfahren.
Freitag, 25. November 2011
Funktion versus Ästhetik
Diese provokative Einleitung soll zum Nachdenken einladen. Natürlich stehen die Adjektive "orthopädische" und "hässliche" Schuhe in keiner Analogie.
Doch nun zum Thema: Unsere Kultur schafft bestimmte Normen mit denen sich bereits Schiller und Kant auseinandersetzten. Während Kant "Schönheit" und "Geschmack" als subjektive Eigenschaften beschrieb, bearbeitete Schiller in einem Buch mit dem Titel „Kallias oder Über die Schönheit“ das zentrale Thema Ästhetik bzw. Schönheit mit "Sinnlichkeit und Vernunft, Einbildungskraft und Erkenntnisvermögen, Willkür und Gesetz sowie Natur und Kultur".
Ästhetisch gelungene orthopädische Schuhe sind natürlicher Formen nachempfunden. Das verlangt manchmal Kompromisse. Wie weit dürfen diese Kompromisse gehen? Wenn ich zu weit gehe leidet die Funktion möglicherweise darunter. Ich habe dann zwar einen ästhetisch anmutigen Schuh geschaffen, dies aber auf Kosten der Wirkung. Missachte ich jedoch die Ästhetik, laufe ich Gefahr, dass das Hilfsmittel abgelehnt und nicht getragen wird. In letzterem Fall hätte ich je nach Situation einen totalen Fehlschlag produziert.
Das Business der Mass-Schuhherstellung ist ein immerwährendes Abwägen von Funktion und Ästhetik. Die Vorstellungen des Kunden oder Patienten sind ebenso zu berücksichtigen wie die Indikationsvorgaben des verordnenden Arztes. Nur die Balance zwischen diesen Polen, in Übereinstimmung mit den ärtzlichen Vorgaben, kann zum Erfolg führen.
Bis bald
Patrick Winkler
Sonntag, 20. November 2011
Mass-Schuh oder medizinisches Hilfsmittel?
Was ist der Unterschied zwischen einem medizinischen Schuhhilfsmittel und einem Mass-Schuh? Und was sind eigentlich orthopädische Mass-Schuhe*? Es sind individuelle Hilfsmittel für komplexe pathologische Zustände** der Füsse und werden nach einem kundenindividuellen Leistenmodell hergestellt und angepasst. Ein Mass-Schuh ist nicht von der Stange. Die Anpassung von Mass-Schuhen verlangt vom Fachmann/-frau wegen der ausschlaggebenden Bedeutung des Leistens und Einstellungsdaten nicht nur Kenntnisse der Anatomie und Pathophysiologie, sondern auch Formensinn und räumliche Vorstellungskraft.
Bis bald
Patrick Winkler
* gemäss Begriffliste des Internationalen Verbandes der Orthopädie-Schuhtechniker IVO 1991, S. 217, Link zur Homepage des IVO
** wie diese Zustände genau aussehen werde ich in einem späteren Beitrag eingehen
Freitag, 11. November 2011
Operation oder Hilfsmittel?
Operation und Konservative Behandlung dürfen sich aber nicht gegenseitig ausspielen, sie sind komplementär und ergänzen sich.
Bis bald
Patrick Winkler
Sonntag, 30. Oktober 2011
Spreizfuss
Das Problem des Spreizfusses sind seine Verwandten: Die Druckstellen an der Balle, Hallux valgus und Zehenfehlstellungen. Meistens sind Spreizfüsse mit Schmerzen verbunden und müssen behandelt werden.
Diese Kundin mit starkem Spreizfuss und Beschwerden hat sich Mass-Schuhe machen lassen, weil alle konfektionierten Spezial- und Komfortschuhe schlecht gepasst und Druckstellen verursacht haben. Die Einlagen und Schmetterlingsrollen an den Schuhen konnten das Problem nicht lösen. Die Einlage hat den Schuh im Zehenraum zu eng gemacht, die Schmetterlingsrolle die Sohle zu steif. Und immer wieder war das rutschen an der Ferse. Vorne war der Schuh zu eng, hinten zu locker.
Wir haben uns entschieden Leistenmodelle nach CAD-CAM und Mass-Schuhe herzustellen. Das war vor eineinhalb Jahren. Heute hat sie sich das zweite Paar bestellt. „Ich konnte noch nie so gut gehen in Schuhen, wie in diesen“ bestätigt mir die Kundin. „Vorher konnte ich nach einer halben Stunde kaum noch Gehen, heute Gehe ich fast unbeschränkt“. Die Vorteile der Mass-Anfertigung sind, dass der Platzbedarf im Schuh genau gestaltet werden kann, die Polsterungen und Entlastungen genau dort sind, wo sie sein müssen und der Kunde Farbe, Modell und Werkstoffe selber auswählen kann.
Eigentlich ist dieser Fall eine medizinische Indikation. Die Kundin hat aber ihre Schuhe selber bezahlt, sie wollte keine Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen. Der Preis der Schuhe betrug CHF 1'400.-*, die Leisten als einmalige Herstellung CHF 800.- *. Er ist als mittlerer Schwierigkeitsgrad gemäss Tarifdefinition zu klassieren.
Genügen Platz an den Zehen und kein Rutschen mehr an der Ferse! Für denjenigen, der keine Beschwerden hat vielleicht nichts besonderes, für den Leidenden jedoch ein neues Lebensgefühl.
Patrick Winkler
* inkl. MWSt., Preisangabe beziehen sich auf den geschilderten Fall.
Montag, 17. Oktober 2011
Schweizerisches Gesundheitssystem
Von den Befürwortern der Hochpreispolitik werden diese hohen Kosten mit der Leistung hoher Qualität begründet. Jedoch darf man es nicht zu einfach machen beim Begründen der Kosten. Nicht immer ist das Teuerste das Beste und manchmal das Billigere und Einfachere effizienter als etwas Teures und Kompliziertes. Wer immer nur sagt, das Teure sei am Ende billiger weil angeblich nutzbringender, sitzt dem John-Ruskin-Stereotyp auf. Denn die Qualität einer Dienstleistung, besonders im Gesundheitsbereich, kann man nicht immer so einfach messen und vergleichen wie zwei unterschiedliche Sorten von Basler Läckerli. Besonders Innovatationen drohen auf der Strecke zu bleiben und die Leistungen können den Veränderung der Patientenbedürfnisse weniger schnell angepasst werden.
Ich wünsche uns viel innovatives Schaffen.
Bis bald
Patrick
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Christoph Bernoulli, 1782-1863
Im Jahr 1822 warb er für die Einführung der Gewerbefreiheit und die Einschränkung der Monopolmacht der Innungen. Er stiess damit auf heftigen Widerspruch der damaligen Standesvertreter. In ärgerlichem Ton verteidigte der Basler Zunftmeister Johann Jakob Vest die herrschende Wirtschaftsordnung gegen Bernoulli's Vorschläge:
"Wir geben auch zu, daβ die höhere Industrie, fabrikmäβiger Betrieb und Maschinen wirklich das einzig verderbliche Uebel einer zügellosen Concurrenz sey, um dadurch die Handarbeit zu ersparen, den Handwerker und Arbeiter zu ruinieren."*
Freier Handel und Gewerbe bedeuteten das Ende des Zunftmonopols und das Wort Concurrenz war Synonym für den freien Mark, in den Augen der Zunftgenossen eine Beleidigung ihrer Ehre. Die Kämpfe der Erneuerer und Bewahrer hielten in Basel noch lange an und immer wieder wiesen die Konservativen auf die angeblich schlechten Erfahrungen mit der Gewerbefreiheit in anderen Städten. Mit der Bundesverfassung von 1848 wurde durch die Einführung des freien Warenverkehrs eine erste Bresche in die Mauer der Zunftordnung geschlagen. Aber erst 1874 mit der ersten Revision der Bundesverfassung wurde schweizweit die Gewerbefreiheit garantiert womit die alte Ordnung endgültig besiegelt wurde.
Der Disput zwischen Christoph Bernoulli und Johann Jakob Vest ist ein interessantes Zeugnis über eine frühe Debatte um die Gewerbefreiheit in Basel, die uns auch an Kämpfe der heute noch abgeschotteten Märkte erinnert.
Bis bald
Patrick Winkler
* Quelle: Johann Jakob Vest: Beantwortung und Wiederlegung der von Herrn Professor Christoph Bernoulli im Druck und zu öffentlichem Verkauf herausgegebenen Schrift:
Ueber den nachtheiligen Einfluß der Zunftverfassung auf die Industrie mit besonderer Hinsicht auf Basel. Basel, in der Schweighauser’schen Buchhandlung, 1823
Donnerstag, 6. Oktober 2011
Corporate Governance CG
Zuerst etwas, das mit guter CG nichts zu tun hat: Dumping. Der Begriff Dumping ist Englisch und heisst abladen, verkappen, auskippen (to dump). Das Nomen dump kann mit „Bruchbude“, „Deponie“ oder „Müllhalde“ übersetzt werden. Das Wort wird für den Verkauf von Waren oder Leistungen unter den Herstellungskosten benutzt. Ein Dumpinganbieter nimmt damit einen Geschäftsverlust in Kauf in der Absicht seine Marktanteile zu vergrössern oder gar eine Monopolstellung in einem bestimmten Markt zu erlangen. Es gibt aber auch weniger sichtbare Preisdumpings. Zum Beispiel kann ein Anbieter ein Produkt in seinem Sortiment zu Dumpingpreisen verkaufen und die Verluste in diesem Geschäft mit anderen Bereichen quersubventionieren. Das macht für den Anbieter Sinn, wenn seine Kunden auf verschiedene Produkte im Sortiment angewiesen sind oder sich die Produkte ergänzen.
Dumpingpreise gehören meiner Meinung nicht zu einem seriösen Geschäftsgebaren. Langfristig sind sie für die Märkte gleich schädlich wie Monopolanbieter, Monopolverbände und Marktabschottung. Teilweise ist Preisdumping sogar verboten wie das Agrardumping nach den Regeln des WTO.
Corporate Governance von Winkler ORTHO SCHUH TECHNIK
- Wir verkaufen keine Leistungen unter ihrem Herstellungswert
- Qualität und Nutzen für Kunden stehen im Zentrum
- Wir sind offen für neue Herstellungsmethoden und Dienstleistungen
- Die Herstellung ist auf Nachhaltigkeit, geringen Energieaufwand und Verminderung chemischer Stoffe ausgerichtet
- Wir arbeiten zielgerichtet mit den Zuweisern zusammen
- Die Unternehmensstrategie und Technikeinsatz sind transparent
Bis bald
Patrick WinklerSonntag, 2. Oktober 2011
iWear-it
Schauen Sie vorbei auf www.iwear-it.ch
Tragen Sie Einlagen? brauchen Sie einen Ausgleich wegen einer Beilängendifferenz oder eine Abrollrampe? Einen gedämpften Absatz? Sind Sie auf eine bestimmte Absatzhöhe angewiesen? Brauchen sie ein orthopädisches Fussbett mit spezifischen Entlasutungen?
Wollen Sie ein bestimmtes Design? Bestimmte Farben und Dekos?
Alles ist möglich. Schauen Sie vorbei, wir beraten Sie gerne.
Bis bald
Patrick Winkler
Mittwoch, 21. September 2011
Bewegungsfunktion des Körpers
Für einen Orthopädieschuhtechniker ist es wichtig, diese Gesetzmässigkeiten zu erfassen. Um einen orthopädischen Mass-Schuh erfolgreichen herzustellen zu können, muss es gelingen, das biomechanische System des Körpers und seiner Pathophysiologie in das Leistendesign und die Einstellungsdaten zu übertragen.
Manche Leute glauben, mit moderner elektronischer Technik sei das nicht mehr nötig. Das ist leider nicht so, 3D-Scanner und CAD-CAM gestützte Geräte sind Werkzeuge wie Hammer und Falzzange in der Hand des Handwerkers und Patientenversorgers. Vorstellungen von einer Maschine, in die man den Fuss hineinhalten kann während auf der anderen Seite ein fertiges Hilfsmittel herausfällt, muss man in das Land der Träume verweisen.
Das wichtigste, um gute Resultate mit orthopädischen Mass-Schuhen zu erreichen, ist ein gewisses Feeling für Mass-Schuhe, Vorstellungskraft und Häufigkeit der Bearbeitung bestimmter Problemstellungen. Wer zuwenig Versorgungen durchführt, wird Mühe bekommen, ein gutes Leistendesign und funktionerende Lösungen zu erreichen.
Deswegen plädiere ich für eine Spezialisierung im Gebiet der Mass-Schuhversorgungen, für eine fokussierung auf eine bestimmte Problemstellung und Lösungsweg.
Bis bald
Patrick Winkler
