Sonntag, 10. Oktober 2010

Ursache des Hallux valgus

Der Hallux valgus ist der medizinische Fachausdruck für den Schiefstand der Grosszehe, wobei valgus die Richtung bezeichnet. Als Hauptursache wird in den medizinischen Publikationen meistens der Spreizfuss genannt. Fast ausschliesslich werden dafür falsches, also zu enges, kurzes und/oder spitzes Schuhwerk mit zu hohen Absätzen verantwortlich gemacht. Diese Meinung widerpiegelt auch die Volksmeinung über die Entstehung des Hallux valgus.

Das muss aber nicht der einzige Grund sein. Andere Faktoren wie Beindegewebseigenschaft, Art und Intensität der Belastung und Belastungsdauer und genetische Faktoren spielen auch eine Rolle.

In der Sendung Puls des Schweizer Fernsehens DRS erklärt Dr.med. Espinosa von der Fusschirurgie der Balgristklinik in Zürich, dass ungünstige Schuhe ein Faktor zur Bildung des pathologischen Hallux valgus darstellen, dass aber ebenfalls eine erbliche Komponente als massgebliche Ursache ausgemacht werden kann. Hallux valgus kann auch Generationenübergreifend vorkommen was sich in etwa 90% der Fälle feststellen lässt.

Diese Meinung können wir aus unserer Praxis bestätigen. Es kommt manchmal vor, dass Patienten mit schmerzhaften Halluces valgi glaubhaft hinweisen, dass sie immer Schuhe mit flachem Absatz und breitem Vorderblatt getragen hätten. Auch sind das meistens Patienten mit einem normalen Körpergewicht und die ihre Füsse nicht unnatürlich belasten wie zum Beispiel Ballettänzerinnen. Eine Garantie zur Vermeidung von Hallux valgus Problemen gibt es also nicht.

Mehr dazu auch unter den Themen.

Bis bald
Patrick Winkler

Montag, 4. Oktober 2010

Messbare Qualität?

Ist der Nutzen eines orthopädischen Schuhes messbar?

Gewisse Faktoren einer Schuhversorgung wie Druckwerte, Winkelstellungen oder Position einer Abrollfunktion lassen sich messen und in Zahlen ausdrücken. Die Herstellungsqualität lässt sich über gewisse Normen prüfen, wie der Qualitätsnorm für Hilfsmittel ISO 13485 oder Masseinheiten ISO 9407. Das sind sinnvolle Instrumente der Qualitätssicherung. Die Erfolgsqualität einer Versorgung eines Patienten mit orthopädischen Mass-Schuhen kann dabei aber nicht abgeleitet werden. Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz, rät uns in seinem neuen Buch "Sinnloser Wettbewerbe - Warum wir immer mehr Unsinn produzieren" damit aufzuhören, alles für messbar zu halten. Zitat: "Nach wie vor ist der Glaube an die Möglichkeit einer quantitativen Erfassung von qualitativen Leistungen weit verbreitet, obwohl sich ständig von neuem zeigt, dass dies nicht geht.“ Und weiter: „Man kann durchaus die Zahl der Dreifachsprünge bei einer Eiskunstlaufkür messen, aber diese Zahl ist nicht identisch mit ihrer Qualität“.

Nirgends kommt diese Wahrheit besser zum Vorschein als bei der Anpassung eines orthopädischen Mass-Schuhes. Wohl lassen sich bestimmte Funktionen messen und die Verfahren kontrollieren. Ob jedoch das Hilfsmittel letztendlich erfolgreich ist und vom Patienten getragen wird ist eine andere Frage. Was ist zum Beispiel, wenn die Schuhe einer Patientin nicht gefallen und sie lieber Beschwerden und Spätfolgen in Kauf nimmt? Gerade der ästhetische Anspruch an ein sichtbares und der Mode unterworfenes orthopädisches Hilfsmittel wie Schuhe, schlägt nicht selten auf Erfolg oder Misserfolg durch. Manchmal sind die kosmetischen Kompromisse sowie das Feeling des erfahrenen Handwerkers für ein mutiges Design mehr erfolgsentscheidend als ein stures Orientieren an der Funktion.

Abb. orthop. Mass-Schuhe und Unterschenkelorthesen einer MS-Patientin


Das soll keine Abkehr von Qualitätsnormen bedeuten. Diese brauchen wir, genauso wie wir Verfahrensnormen brauchen. Etwas Wettbewerb würde dem abgeschotteten Markt ebenfalls gut tun. Nur dürfen wir die Normen der Qualitätssicherung nicht mit der Qualität des Erfolges vergleichen.

Bis bald
Patrick Winkler

Mathias Binswanger: "Sinnlose Wettbewerbe - Warum wir immer mehr Unsinn produzieren"