Dienstag, 29. November 2011

Der Hallux valgus

Der Hallux valgus ist der medizinische Fachausdruck für den Schiefstand der Grosszehe, wobei valgus die Richtung bezeichnet. Als Ursache wird in den medizinischen Publikationen meistens der Spreizfuss genannt. Eine Ursache dafür kann falsches, also zu enges, kurzes und/oder spitzes Schuhwerk mit zu hohen Absätzen sein. Andere Faktoren wie Beindegewebseigenschaft, Art und Intensität der Belastung und Belastungsdauer spielen aber auch eine Rolle.

Auf was man bei Schuhkauf achten sollte: Einerseits braucht die Balle genügend Volumen, andererseits darf die Ferse nicht zu breit sein. Weil Hallux-valgus-Leidende meist auch Einlagen tragen müssen, sollte der Schuh zudem für Einlagen geeignet sein. Das kann ganz schön kompliziert werden, Betroffene wissen das.
Die Problematik liegt darin, dass sich die Proportionen des Fusses verschieben. Das Verhältnis von Rückfussbreite zur Ballenweite verändert sich so, dass Schuhe, die im Vorderblatt passend sind, in der Hinterkappe zu locker werden und der Fuss den Halt verliert. Da kommt man um eine Schaftanpassung (lokales ausweiten) nicht herum. Ich habe immer wieder Kunden, die können Ihre gewohnten Schuhe gar nicht mehr anziehen ohne ein wahres Martyrium zu erleiden. Dort ist der Punkt, wo eine Schuh-Massanfertigung angebracht ist. Besonders dann, wenn schmerzhafte Druckstellen an der Fuss-Sohle dazukommen. Solche Kunden können in der Regel keine anderen Schuhe mehr anziehen als solche, die über ihren individuellen Leisten hergestellt wurden.

Abb. oben links: Bei dieser Hallux valgus Deformation kommen konfektionierte Spezialschuhe nicht mehr in Frage, das Verhältnis von Ballen- zu Fersenbreite ist zu unterschiedlich. Weil der Fuss an sich nicht schmerzhalft ist wird er auch nicht operiert. Die eleganteste Lösung sind Mass-Schuhe.

Mehr können Sie hier erfahren.

Freitag, 25. November 2011

Funktion versus Ästhetik

Müssen orthopädischen Schuhe hässlich aussehen damit sie wirksam sind?

Diese provokative Einleitung soll zum Nachdenken einladen. Natürlich stehen die Adjektive "orthopädische" und "hässliche" Schuhe in keiner Analogie.

Doch nun zum Thema: Unsere Kultur schafft bestimmte Normen mit denen sich bereits Schiller und Kant auseinandersetzten. Während Kant "Schönheit" und "Geschmack" als subjektive Eigenschaften beschrieb, bearbeitete Schiller in einem Buch mit dem Titel „Kallias oder Über die Schönheit“ das zentrale Thema Ästhetik bzw. Schönheit mit "Sinnlichkeit und Vernunft, Einbildungskraft und Erkenntnisvermögen, Willkür und Gesetz sowie Natur und Kultur".

Ästhetisch gelungene orthopädische Schuhe sind natürlicher Formen nachempfunden. Das verlangt manchmal Kompromisse. Wie weit dürfen diese Kompromisse gehen? Wenn ich zu weit gehe leidet die Funktion möglicherweise darunter. Ich habe dann zwar einen ästhetisch anmutigen Schuh geschaffen, dies aber auf Kosten der Wirkung. Missachte ich jedoch die Ästhetik, laufe ich Gefahr, dass das Hilfsmittel abgelehnt und nicht getragen wird. In letzterem Fall hätte ich je nach Situation einen totalen Fehlschlag produziert.

Das Business der Mass-Schuhherstellung ist ein immerwährendes Abwägen von Funktion und Ästhetik. Die Vorstellungen des Kunden oder Patienten sind ebenso zu berücksichtigen wie die Indikationsvorgaben des verordnenden Arztes. Nur die Balance zwischen diesen Polen, in Übereinstimmung mit den ärtzlichen Vorgaben, kann zum Erfolg führen.

Bis bald
Patrick Winkler

Sonntag, 20. November 2011

Mass-Schuh oder medizinisches Hilfsmittel?

Schuhhilfsmittel erleichtern das Gehen bei Fussbeschwerden, Deformationen und diversen Handicaps. Sie sind eine komplementäre oder alternative Behandlung zum chirurgischen Eingriff. Gemäss dem komplexitätsgrad der Beschwerden werden semiorthopädische oder individuelle Lösungen gewählt.

Was ist der Unterschied zwischen einem medizinischen Schuhhilfsmittel und einem Mass-Schuh? Und was sind eigentlich orthopädische Mass-Schuhe*? Es sind individuelle Hilfsmittel für komplexe pathologische Zustände** der Füsse und werden nach einem kundenindividuellen Leistenmodell hergestellt und angepasst. Ein Mass-Schuh ist nicht von der Stange. Die Anpassung von Mass-Schuhen verlangt vom Fachmann/-frau wegen der ausschlaggebenden Bedeutung des Leistens und Einstellungsdaten nicht nur Kenntnisse der Anatomie und Pathophysiologie, sondern auch Formensinn und räumliche Vorstellungskraft.

Bis bald
Patrick Winkler

* gemäss Begriffliste des Internationalen Verbandes der Orthopädie-Schuhtechniker IVO 1991, S. 217, Link zur Homepage des IVO
** wie diese Zustände genau aussehen werde ich in einem späteren Beitrag eingehen

Freitag, 11. November 2011

Operation oder Hilfsmittel?

Nach einem Heil- und Hilfsmittelreport der Barmer Krankenkasse in Deutschland könnten durch gezielten Einsatz von Hilfsmitteln bestimmte chirurgische Eingriffe überflüssig werden. Nach einem Bericht des Fachmagazines Orthopädie-Schuhtechnik wären nach Ausage des Vorstands-Vize der Barmer GEK Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, z.B. Venenoparationen bei rechtzeitigem Einsatz von Kompressionsstrümpfen in einigen Fällen nicht nötig. Auch Physiotherapie könne gegen verfrühte Arthrose prophylaktisch wirken.

Operation und Konservative Behandlung dürfen sich aber nicht gegenseitig ausspielen, sie sind komplementär und ergänzen sich.

Bis bald
Patrick Winkler