Mittwoch, 28. April 2010

Eine Nummer zu gross?

Lieber eine Nummer zu gross und zu weit, dachte sich diese Kundin mit hemiplegischem Fallfuss* und Pes planovalgus (*das ist eine Behinderung, bei der der Fuss beim Gehen herunterfällt und nach innen Abknickt). Leider hat ihr das nichts gebracht, sie hatte keinen Halt in diesem Schuh (siehe Bild unten) und mit der Heidelbergerschiene, die sie auf einer Seite tragen musste, war sie ebenfalls unglücklich.

Gross und weich und weit, denkt man, ist immer das Beste wenn man Druck- und andere Probleme hat. Stimmt nicht immer. Wie in diesem Fall eines schlaffen Lähmungsfusses ist möglichst viel Rückfuss-Stabilität gefragt und eine Funktion, die den Fallfuss verhindert.

Das liess sich mit einem hohen Mass-Schuh mit leichter Perokappe am einfachsten lösen: Keine Klettenbänder mehr an den Orthesenschellen, nicht mehr das Handieren mit mehrteiligen Hilfsmitteln, leicht im Gewicht und viel Halt. Die Kundin trägt diese Schuhe jetzt schon ein halbes Jahr, ist zufrieden damit und wir machen ihr schon das zweite Paar. Kostenträger ist in diesem Fall die AHV.

Prophylaxeschuh im Vordergrund, Mass-Schuhe im Hintergrund
Bis bald
Patrick Winkler

Dienstag, 27. April 2010

Risiken bei Diabetes, Teil 1

Bild anklicken um Auflösung zu vergrössernDiabetiker haben wegen der verminderten Heilung und der Neigung zur Neuropathie (Rückgang der Gefühlsempfindung in einem Glied) ein erhöhtes Druckstellenrisiko. Deswegen muss der Diabetiker mit Neuropathie seine Füsse regelmässig kontrollieren. Auch die fachgerechte Fusspflege spielt eine wichtige Rolle.
Aufpassen muss man in solchen Fällen auch mit Hilfsmitteln an Bein und Fuss weil diese eine Stützt- und Entlastungsfunktion haben und an bestimmten Stellen zu erhöhtem Druck führen können. Auch der Patient selber ist in diesem Fall aufgehalten, die Wirkung seines Hilfsmittels zu überprüfen.

Mit der Abbildung oben möchte ich Ihnen ein Beispiel einer individuell angeformten Zehenorthese aus Silikon zeigen, die ich kürzlich zu sehen bekam. Weil die Abformfläche nicht bearbeitet war sind Rauheiten stehen geblieben, die durch das Abdrucknehmen in den Hautfalten und Hohlräumen zwischen den Zehen entstanden sind. Solche raue Oberflächen können Druck auslösen und sogar zu blutenden Verletzungen an den Zehen führen.

Jedes Hilfsmittel für Diabetiker sollte eine glatte Oberfläche haben und elastisch sein. Damit vermindern wir das Risiko von Hautverletzungen und letztlich Infektionen.

Denn Diabetiker brauchen Bewegung noch dringender als die Gesunden.

Bis bald
Patrick Winkler

Samstag, 24. April 2010

Das Besondere am Mass-Schuhe Herstellen

Heute will ich etwas über das Geschäft des Herstellens orthopädischer Mass-Schuhe erzählen. Die Mass-Schuh Dienstleistung ist ein Teilgebiet der Orthopädie-Schuhtechnik. Was sind aber eigentlich orthopädische Mass-Schuhe*? Es sind individuelle Hilfsmittel für komplexe pathologische Zustände** der Füsse und werden nach einem kundenindividuellen Leistenmodell hergestellt und angepasst. Ein Mass-Schuh ist nicht von der Stange. Die Anpassung von Mass-Schuhen verlangt vom Fachmann/frau wegen der ausschlaggebenden Bedeutung des Leistens und Einstellungsdaten nicht nur Kenntnisse der Anatomie und Pathophysiologie, sondern auch Formensinn und räumliche Vorstellungskraft. Deshalb kann man als Fachgeschäft das Mass-Schuh Business nicht nebenbei und unter „ferner liefen“ betreiben, denn es ist etwas Besonderes. Um erfolgreich zu sein muss sich eine in der Firma dafür verantwortliche Fachperson darauf fokussieren können, es braucht spezifisches Know-how und eine gewisse Häufigkeit der Fälle. Ideal finde ich, um einen gewissen Fertigkeitslevel zu erreichen und zu halten, etwa 100 Neuversorgungen mit Leistenherstellung pro Jahr. Wer es zu seinem Angebot zählt ist ein „Vollblut“ in seinem Fach und muss seine Energie und etwas Enthusiasmus in diese Aufgabe stecken.

Das ist meine Ansicht, sie entspringt einer 30jährigen Erfahrung in dieser Disziplin. Der Erfolg hat mir bisher Recht gegeben.

Bis bald
Patrick Winkler

* gemäss Begriffliste des Internationalen Verbandes der Orthopädie-Schuhtechniker IVO 1991, S. 217, Link zur Homepage des IVO
** wie diese Zustände genau aussehen werde ich in einem späteren Beitrag eingehen

Mittwoch, 21. April 2010

Kosmetik

Auflösung verbessern durch Anklicken des Bildes Nach der „Ästhetik“ (Post vom 21.04.2010) möchte ich mich heute mit einem weiteren Begriff befassen. Kosmetik ist vom altgriechischen Verb [κοσμέω] kosméo „schmücken“ abgeleitet. Im Allgemeinen wird der Begriff für die Körper- und Schönheitspflege verwendet. Wir verwenden den Begriff um die Verschönerung von orthopädischen Schuhen durch Modell-, Farb- und Materialwahl und Kaschierungen zu beschreiben.

Die moderne Orthopädieschuhtechnik bietet hier eine Fülle von Variationen. Der Kunde kann sich seinen Schuh selber zusammenstellen aus einer vielfältigen Auswahl von Farben und Lederarten, die in verschiedenen Kombinationen eingesetzt werden können. Die Modellkataloge bieten eine Reichhaltige Auswahl von Vorlagen.

Mit Ästhetik und Kosmetik verbessern wir die Schuhe, soweit es Deformation und Pathophysiologie zulassen.

Abbildung: Klicken Sie auf das Bild um die Auflösung zu verbessertn.

Bis bald
Patrick Winkler

Ästhetik

Auf das Bild klicken um die Auflösung zu verbessern Ästhetik kommt vom altgriechischen aísthesis und bedeutet „Wahrnehmung“. In meiner täglichen Arbeit habe ich mit Ästhetik zu tun bei der Gestaltung der Leistenformen.
Ein Leisten ist eine Formschablone, die der Orthopädieschuhmacher benutzt um Mass-Schuhe herzustellen, manchmal auch um Änderungen an Konfektionsschuhen zu machen. Bei orthopädischen Mass-Schuhen hat jeder Kunde seinen eigenen individuellen Leisten, der nur für ihn gebraucht wird. Das Erscheinungsbild des Schuhes hängt von der Ästhetik des Designs ab. Ist die Form natürlich, wird auch der Schuh ein natürliches Aussehen haben.

Zuerst tasten wir die Körperoberfläche des Fusses mit einem optischen 3D-Scanner ab. Dadurch erhalten wir einen Datensatz, der mit spezieller Software ein Design erhält, d.h. auf die Form gebracht wird, die sich eignet um einen Schuh damit zu konstruieren. Diese Form wird auf einer computergesteuerten Fräsmaschine aus einem Stück Holz gefräst und davon wird eine durchsichtige Folie hergestellt, mit der wir die Feinheiten der Passform und Einstellung überprüfen können. Nach diesem Arbeitsschritt wird das Leistenmodell nachgetunt (man sagt auch „chaussiert“) und auf den endgültigen Zustand gebracht. Jetzt kann der Schuh hergestellt werden.

Das Design und Anpassen von Leisten für orthopädische Mass-Schuhe bei komplexen Fussdeformationen und Fehlfunktionen ist unsere Kernkompetenz und tägliche Arbeit. Aus Erfahrung wissen wir, dass dieser Arbeitsschritt der entscheidende ist was die Passformqualität und Funktionalität des Schuhes betrifft. Das Wissen und Können meiner Mitarbeiter fokussiert sich in der Formgestaltung und Ästhetik. Ästhetik ist in diesem Zusammenhang nicht ein Verschönerungsanhängsel sondern eine wichtige Grundlage des Good-Design.

Bis bald
Patrick Winkler

Dienstag, 20. April 2010

Lockere Schuhe?

Stellen Sie sich vor: Frau X hat schmerzhafte und empfindliche Zehen, alle Schuhe drücken. Frau X kauft sich deshalb die weitesten Schuhe und sogar zwei Nummern zu gross, die sie finden kann und - darum geht es - schnürt sie nur locker zu. "Wenn ich die Schuhe fest zuziehe, würde es mich drücken" denkt sie.
Leider falsch entschieden, die Schuhe dürcken noch immer und die Ferse schlappt, vorne im Schuh stossen die Zehen an und hinten an der Ferse ist Hohlraum. Die Reaktion von Frau X ist zwar nachvollziehbar aber genau die Falsche. Ein Spreizfuss (das ist die Voraussetzung für Zehendeformationen) hat immer die Tendenz in einem Schuh nach vorne zu rutschen, und je weiter der Fuss rutscht, desto grösser wird der Druck auf die Zehen. Das Gegenteil vom lockeren Verschliessen ist richtig: Geben sie sich einen guten Halt im Schuh, schnüren sie gut zu damit die Ferse in der Kappe bleibt. Der Rest, die Anpassung des Schaftes und der Einlage, ist dann die Aufgabe des Orthopädieschuhmachers. Damit sie wieder Gehen können wie auf Wolken.

Bis bald
Patrick Winkler

Sonntag, 18. April 2010

Mut zur Provokation

Unter diesem Titel lese ich gerade einen Artikel in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins OT. „…ein attraktives Schaufenster [eines Orthopädiefachgeschäftes] darf auch provozieren, zum Beispiel einen beinamputierten Sportler zeigen…“ heisst es da. Was im ersten Moment schockiert, erweist sich beim Nachdenken als harmlos. Auch die Pro Infirmis zeigte in seiner Plakatcampagne 2001-2008 mit ungewohnten und aufrüttelnden Bildern die Situation behinderter Menschen. Die Bilder sollten in den Köpfen der Öffentlichkeit ein neues, gewandeltes Verständnis von selbständigen und eigenverantwortlichen Menschen mit einer Behinderung verankern.

Früher hatte man behinderte Familienmitglieder oft versteckt, heute gehören sie zum Alltag und sind Teil der Gesellschaft. Aus der Optik der Gehbehinderung führt mich der Gedanke weiter zu der Feststellung, dass ein körperlicher Funktionsverlust dort, wo die moderne Chirurgie kein Operationsverfahren dagegen hat und ihn restlos aufheben kann, nicht unsichtbar gemacht werden kann. Natürlich möchte man eine Behinderung möglichst verdecken, das ist menschlich und legitim. An dem Punkt, wo der Wunsch einer optisch annehmbaren Versorgung steht, beginnt die Kosmetik (altgr. kosmetikós „schmücken“, hier: Verdecken durch Kaschierung) und Ästhetik (altgr. aísthesis „Wahrnehmung“, hier: Anstreben natürlicher Formen).

Wenden wir uns dem orthopädischen Mass-Schuh zu: Vor allem die Ästhetik betrachte ich als den wichtigen Teil um Akzeptanz zu schaffen. Gelingt eine gute Ästhetik und naturnahes Design, hilft es dem Träger des Mass-Schuhes, sein Handicap anzunehmen und sich damit zu identifizieren. Mit guter Ästhetik ist nicht gemeint, dass man die Formabweichung nicht mehr sieht, sondern dass sie natürlichen Mustern und Proportionen folgt, die im Gehirn des Betrachters eine Verbindung zu bekannten Mustern herstellt. Dagegen wirkt eine unnatürliche Form eines Hilfsmittels wie ein Verstärker des Gefühls, absonderlich und ausgefallen zu sein, sie verstärkt das Gefühl von Behinderung. Das Gehirn eines Betrachters kann die Erscheinung nicht sofort zuordnen und produziert ein X-file, erkennt einen Defekt.

So gesehen hilft auch Good-design, sich nicht behindern zu lassen. Daran ist nichts mehr provokativ, oder?

Bald mehr zu diesem Thema.
Ihr Patrick Winkler

Quelle: Orthopädie-Technik 4/2010, S. 234 (Verlag OT, Dortmund)

Donnerstag, 15. April 2010

ISO 9001 / 13485


Weil ich heute mit meinem Q-Auditor, Herr Schmucki von InterQ, mein internes Audit hatte, will ich Ihnen etwas über das überwachte Qualitätssicherungssystem berichten.

Qualitätssysteme sind dazu da, die Geschäfts- und Herstellungsprozesse zu standardisieren und dadurch lenk- und kontrollierbar zu machen und unter anderem Rückverfolgbarkeit, Fehlererkennung und weiteres zu gewährleisten. Verschiedene Regulierungen verlangen Normen, wie der betriebliche Unfallschutz und Gesundheitsschutz, die Sicherheit bei medizinischen Hifsmitteln und der persönlichen Arbeitsausrüstung (z.B. Sicherheitsschuhe). Es ist überdies auch wichtig beim Austausch von Dienstleistungen im Herstellungsbereich von individuellen Mass-Schuhen. Deshalb sind wir nach EN ISO 9001 und 13485 zertifiziert.
Mehr erfahren können Sie unter InerQ.
Bis bald
Patrick Winkler

Montag, 12. April 2010

Willkommen

Ich begrüsse Sie recht herzlich auf meinem Blog.

Mein Name ist Patrick Winkler. Ich bin Experte im Bereich Ortho Schuh Technik. Ich freue mich auf Ihr Interesse an meinem Fachgebiet und werde mir Mühe geben, viele interessante Facetten und Ereignisse aus meinem Tätigkeitsfeld zu präsentieren. Wann immer Sie etwas mitzuteilen haben, können Sie meinen Blog kommentieren. Im ortho-portal Forum steht Ihnen zudem die Möglichkeit offen, ein Thema, dass Sie interessiert, zur Diskussion zu stellen.

Bis bald
Patrick Winkler